A$AP Rocky: Bye-bye Bling-Bling?
L´Officiel Hommes
26. März 2013

rocky

 

A$AP Rocky atmet Hip- Hop, sagt er. Sein Vater saß im Knast, der Bruder wurde erschossen. Er gilt als das next big thing! Aber hat er mehr zu bieten als Ferrari zu fahren und über Mode- Labels wie Comme des Garçons und Jil Sander zu rappen?

New York ist die Geburtsstätte des Hip- Hop – und die von A$AP Rocky. Die Musik wurde ihm im wahrsten Sinne des Wortes in die Wiege gelegt. Denn in Wirklichkeit heißt er Rakim Meyers. Sein Vorname ist inspiriert von dem Rapper Rakim, der in den späten Achtzigern zusammen mit Erik B. den heute als Klassiker des Genres geltenden Song „Paid in Full“ geschrieben hatte. A$AP Rocky hat Hip-Hop geatmet, seit er ein kleiner Junge war. Auch seine Biografie liest sich wie das Drehbuch der Karriere eines Gangsta-Rappers. Als er zwölf Jahre alt war, kam sein Vater ins Gefängnis. Rakim beginnt Drogen zu verkaufen, um die Familie zu ernähren. Ein Jahr später wird sein Bruder erschossen. Eine Zeit lang lebt er mit seiner Mutter in einem Tierheim. Der Unterschied zu anderen Gangsta-Rappern wie zum Beispiel 50 Cent liegt aber darin, dass A$AP davon auf seinem Debütalbum „Live.Love.A$AP.“, das Anfang des Jahres in den USA an die Spitze der Billboardcharts kletterte, so gut wie gar nicht erzählt. A$AP Rocky feiert in seinen Texten stattdessen seine neusten Sneakers und das gemeinsame Joint-Rauchen mit seiner Crew. Das Band der Freundschaft steht bei ihm über dem aufgeblähten Ego anderer Rapper.

Für den Hip-Hop steht der 25-Jährige für eine neue Generation von Musikern, denen das harte Street-Getue zu klischeehaft geworden ist. Und tatsächlich, 50 Cents dickköpfiges Beharren auf seine Streetcredibility, das andauernde Lamentieren über harten Zeiten als Teenager in New York wirkt plump gegen den cleveren Humor, die cosmopolitische Perspektive in A$AP Rockys Texten und seiner Musik, in der er sich nicht nur an amerikanischen Megastars wie Jay-Z und Kanye West orientiert, sondern auch an britischem Dupstep. Trotzdem kennt sich der Internet-geschulte A$AP Rocky auch in der Musik- geschichte seiner Stadt bestens aus und nennt die Harlemer Gangsta-Rap-Legende Cam ́ron als eines seiner Vorbilder.

Auch modisch inszeniert sich A$AP Rocky anders. „Klar will ich in coolen Klamotten rumlaufen. Das gehört doch dazu.“ Fashion ist wie Drogen eine Selbstverständlichkeit seiner Generation, sagt er. Darum will er gar nicht viel Aufsehen machen. Aber das ist natürlich ein Understatement. Bei Preisverleihungen tritt die wahre modische Kreativität des Rappers hervor. Eine Mischung aus Avantgarde mit Labels wie Raf Simons oder Martin Margiela, einen Hauch von Samurai mit Stirnbändern, kombiniert zu schmalen Jeans und klobigen Sneakers oder auch glänzenden Prada-Schuhen. Dagegen wirkt selbst der modeverrückte Kanye West wie ein Anfänger. Statt der üblichen Bling-Bling-Brands wie Gucci sind seine Videoclips gespickt mit im Hip-Hop bislang kaum prä- senten Labels wie Comme des Garçons oder Rick Owens. Manchmal wirken sie wie ein bewegter Streetstyle-Blog. Auf die Spitze treibt es Rocky mit seinem Song „Fashion Killa“ – im Prinzip kaum mehr als eine Aufzählung von Labelnamen. Es kommt einem vor, als seien Jil Sander, Alexander Wang und Ann Demeulemeester seine besten Buddys.

A$AP Rocky besitzt mittlerweile auch einen Ferrari, hat Millionen Fans. Nicht nur in New York, sondern auf der ganzen Welt. Er kann sich die Zähne vergolden und die neusten Designerklamotten kaufen. Aber er macht es aus der Sicht eines smarten Streetkids, das dann doch lieber seine Vans-Sneakers überzieht und mit seiner Crew vor dem Store „Booze“ trinkt als einen auf new rich zu machen. „Diamanten sind im Endeffekt doch nur eine Fassade“, sagt er.

Aktualisiert am 28. April 2013

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