Löwenbräu Areal Zürich: Galerien & Aktuelle Ausstellungen
Art Berlin (Berlin)
24. November 2012

Zürich hat mit dem Löwenbräu Areal ein neues Kunstzentrum. Eine Tour durch die interessantesten Galerien und aktuellen Ausstellungen mit Amelie Schüle von der Galerie Hauser & Wirth.

Eine Tour mit einer Kunstexpertin durch das Löwenbräu Areal

Die 23-jährige Amelie Schüle arbeitet bei der renommierten Schweizer Galerie Hauser & Wirth, die auf dem Löwenbräu-Areal einen neuen Standort eröffnet haben. Begeistert erzählt sie von der Architektur des neuen Kunstzentrum, die unter der Regie des bekannten Schweizer Architekturbüros Gigon/Guyer entstanden ist. Jene Architekten, die das höchste Gebäude der Schweiz gleich um die Ecke von Löwenbräu erbaut haben. Die Vereinigung von altem Backstein und weissem Beton auf dem Löwenbräu-Areal soll den Aufbruch der Zürcher Kunstszene hinaus in die Welt signalisieren. Traditionelle Institutionen wie die Kunsthalle Zürich treffen hier auf kommerzielle Galerien – was einmalig in Europa sein will. “Nur die Beschriftung ist etwas verwirrend. Viele Besucher fragen uns am Front Desk, wo sich welche Galerie befindet“, meint Amelie.

Kunsthalle Zürich

Unsere erster Station ist dann auch gleich keine Galerie, sondern die Kunsthalle Zürich. Eine der wichtigsten Schweizer Kunstinstitution zeigt seit der Eröffnung eine Ausstellung von Wolfgang Tillmans. Seit dessen letzten Ausstellung in der Kunsthalle Zürich vor einigen Jahren, ist sein Name weltweit ein Begriff geworden. Die Direktorin der Kunsthalle schätzt sich glücklich, gleich zu Beginn mit einem solchen Künstler Besucher anlocken zu dürfen. Denn, obwohl es zur Eröffnung des Löwenbräu Areals Gratulationen aus der ganzen Welt regnete, wird es noch eine Weile brauchen, bis sich der Ort unter den Kunstfreunden und Sammlern herumgesprochen hat. Auch die Stadt Zürich ist zwar als Umschlagplatz für Kunst bekannt, nicht zuletzt wegen der potenten Käuferschaft, hat aber natürlich nicht die Strahlenkraft von Berlin oder New York.

 

Galerie Bob von Orsouw

Einen Stock unter der Kunsthalle befindet sich die Galerie Bob von Orsouw, ein Urgestein der Privatgaleristen in der Schweiz. Er vertritt Künstler wie Shirana Shabazi oder Paul Morrison. Aktuell zeigt von Orsouw im Areal Arbeiten von Ann Veronica Janssens, Werner Feiersinger, Gabriel Kuri und Navid Nuur. Die Präsenz seiner Galerie ist gelungen: Hinten gibt es ein modernes Büro, wo man auf dem Sofa bei einem Kaffee über Kunst und deren Kauf ungestört reden kann.

Galerie Eva Presenhuber

Auch die Galerie Eva Presenhuber ist in das Löwenbräu-Areal gezogen. Die Galeristin hat sich nicht nur in der Schweizer Kunstszene einen Namen gemacht und überrascht immer wieder mit spannenden Künstlern. So auch mit der Ausstellung Bent Paintings /Why Horses Paint des amerikanischen Künstlers Alex Hubbard. Mit seiner ersten Solo-Ausstellung in der Galerie will der New Yorker Künstler die Konventionen der klassischen Malerei mit einem skulpturalen Charakter brechen. Nicht fehlen darf hier auch eine Kunstbuchhandlung – die gibt es auch im Löwenbräu-Areal mit dem passenden Namen Kunstgriff. Eine reichhaltige Sammlung von Bildbänden und Ausstellungsbücher der wichtigsten Künstler, darunter auch zahlreiche Schweizer, findet sich hier.

Für den Kaffee zwischendurch

Wer sich nach dem Betrachten der Kunst einen Kaffee gönnen möchte, sucht im Areal jedoch vergebens. Abhilfe gegen den Durst schafft die nahe gelegene Markthalle in den Viaduktbögen. Ein Besuch in dem modernisierten Eisenbahnviadukt, wo seit rund zwei Jahren zahlreiche Shops um urbane Käuferschaft buhlt, lohnt sich alleweil: Die grosse Markthalle bietet frische Erzeugnisse aus der Region – und eben guten Kaffee, die kleinen Läden eine tolle Auswahl an Kleidung und Design. Ganz nach dem Gusto der Kunstfreunde.

Junge Galerien auf dem Löwenbräu Gelände

Zurück im neuen Leuchtturm der Kunststadt Zürich: Das Areal hat eine private und öffentliche Trägerschaft. Doch nicht nur Galerien, die international in der Topliga spielen, sind hier untergebracht. Zu den jüngeren Galerien gehört Freymond Guth Fine Arts. Galerist Jean Claude Freymond-Guth zieht nach knapp drei Monaten Eröffnung eine positives Bilanz:

Wir haben hier eine interessierte Laufkundschaft, die unsere Künstler entdecken können.

Vorher war seine Galerie im belebten Langstrassenquartier stationiert. Wer in die Galerie kam, kam nicht zufällig vorbei, sondern musste davon wissen. Heute ist das anders:

Es braucht noch etwas Zeit, bis sich das Löwenbräu etabliert hat. Aber ich spüre schon jetzt, wie täglich mehr Kunstinteressierte und eben auch Käufer bei uns vorbeikommen,

sagt Freymond-Guth. Er zeigt seit einer Woche die Werke von der in Zürich lebenden italienischen Künstlerin Loredana Sperini. Mit ihrer ersten Soloshow tra di noi zeigt sie verschiedenste Materialien wie durchlässigen Wachs und hermetischen Zement und wechselt zwischen kühlem Metall und weichem Holz.

Hauser & Wirth

Im Erdgeschoss des Areals führt uns Amelie Schüle schliesslich in „ihre“ Galerie: Hauser & Wirth. Eine der bekanntesten Galerien der Welt und die mit Abstand grösste Schweizer Ursprung. Die 1992 von Iwan Wirth und Manuela Hauser gegründete Galerie hat Niederlassungen in Zürich, London und New York und vertritt namhafte Künstler wie Roman Signer, Dan Graham, Paul McCarthy oder Pipilotti Rist sowie den vor zwei Jahren verstorbenen deutschen Künstler von Weltrang – Christoph Schlingensief.
Hauser & Wirth beansprucht für sich auch die grösste Fläche der Galerien auf dem Löwenbräu-Areal. Neben der öffentlich zugänglichen Ausstellung gibt es noch einen Raum für Sammler, den man auf Anfrage besuchen kann. Die aktuelle Ausstellung zeigt den chinesischen Künstler Zhang Enli. Dieser hat sich mit dem Malen von Alltagsobjekten wie Röhren, Schläuche oder Kabeln einen Namen gemacht. Bereits bei der Vernissage seien einige Werke verkauft worden. „Enli schafft es, scheinbar triviale Gegenstände in faszinierende Sujets zu verwandeln“, erklärt Amelie Schüle.

Die Museen ziehen Leute an, aber die Ausstellungen der Galerien sind fast noch spannender. Manchmal kommen weit mehr als hundert Besucher pro Tag in die Galerie.

Amelie bringt damit das Spezielle und eben auch die Faszination des Löwenbräu-Areals als Kunstzentrum auf den Punkt: „Die Mischung aus Museen und Galerien ist einmalig“, sagt sie. Die Leute hätten im Vergleich zu früher keine Hemmungen mehr, die Türen einer Galerie zu öffnen und sich die Werke anzuschauen.

Die Galerien sind dank der grosszügigen Architektur für jeden zugänglich und sind somit auch kleine Museen.

http://www.artberlin.de/galerien-berlin/loewenbraeu-areal-zuerich-galerien/

Aktualisiert am 31. Januar 2013

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