Stilikone Sophie Taeuber-Arp
Neue Zürcher Zeitung
2. November 2012

STILIKONE N° 49

Sophie Taeuber-Arp (*1889 Davos, †1943 Zürich)

David Torcasso Jeder Schweizer kennt Sophie Taeuber-Arp – schliesslich ziert sie, eine der vielseitigsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, seit 1995 die Fünfzigfrankennote. Bekannt wurde die Künstlerin, die ihr ganzes Leben nie mit viel Geld gesegnet war, erst nach ihrem tragischen Tod. 1943 starb sie auf rätselhafte Weise im Hause des befreundeten Künstlers Max Bill in Zürich an einer Kohlenmonoxidvergiftung.

Das Bild auf der Schweizer Banknote zeigt Taeuber-Arp mit schwarzem Hut als ernst dreinblickende Wegbereiterin der Moderne. Dabei war die Tochter eines westpreussischen Apothekers und einer Appenzeller Künstlerin durchaus eine Frohnatur. Auch die Mode hatte es ihr angetan: Die Künstlerin liess sich gerne mit einem herzlichen Lachen und in verspielten Looks fotografieren. Die Kleider entwarf sie selbst, wenn sie nicht Kreationen von Freunden wie Sonia Delaunay trug. Ihr Handwerk hat Taeuber-Arp an der Textilabteilung der Gewerbeschule St. Gallen gelernt.

Die überzeugte Dadaistin liess sich wohl auch von Max Ernst inspirieren. Dieser proklamierte 1919: Fiat modes, per-eat ars (es lebe die Mode, nieder mit der Kunst). Die Mode diente zur Untermauerung der dadaistischen Antikunst. Sophie Taeuber-Arp brachte ihre oft ungegenständlichen Bilder durch Kleider auf eine figürliche, greifbare Ebene. Taeuber-Arp inszenierte zudem spektakuläre Puppen für das Spiel «König Hirsch» oder kreierte in Strassburg einen Vergnü- gungstempel. Ausserdem entwarf das Multitalent auch Handtaschen, Seidenschals, Hocker und Stoffe mit geometrischen Figuren, die teilweise an Tiermotive erinnerten.

Sophie Taeuber-Arp war also – nach heutigem Verständnis – auch eine Modedesignerin. 1913 fertigte sie einen Anzug, der aus einem bunten Patchwork bestand. Sie spielte immer wieder mit Verkleidung und dem Wechsel der Identitäten. Taeuber-Arp war von der Mode zeitweise so angetan, dass sie mit der Modezeitschrift «Marie-Claire» kooperierte. Daneben suchte sie die Nähe zu dem damals berühmten französischen Modeschöpfer Paul Poiret. Ein kühner Wurf war auch Taeuber-Arps Hopi-Indianer-Kostüm, das sie 1922 aus Filz und bunten Stofffetzen nähte und welches sich heute im Besitz des Aargauer Kunsthauses befindet. Wer sich das Kleid anschaut, entdeckt verblüffende Parallelen zur aktuellen Mode: Sophie Taeuber-Arp kreierte schon Ethno-Looks, bevor Burberry oder Hermès solche Ideen auch nur zu denken wagten.

Aktualisiert am 2. November 2012

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