“Strippen ist eine Schlacht”
Friday
24. August 2012

Männerfreundschaft, wackelnde Hintern und das Leben nach der grossen Party: Für uns enthüllte Ex-Stripper “Magic Mike” Channing Tatum alles.

Interview: David Torcasso 

Channing, du hast vor deiner Hollywood-Karriere selber gestrippt und weisst Bescheid: Wie viel Geld macht ein Stripper pro Nacht?
Im Film «Magic Mike» haben wir die Summe etwas aufgebläht. In Wirklichkeit verdiente ich rund 150 Dollar in zwei Stunden, steuerfrei. Mit 19 war das viel Geld für mich.

Was sagten deine Eltern zu deinem Nebenjob?
Die wussten das nicht. Ich wohnte nicht mehr zu Hause, sondern auf der Couch meiner Schwester. Mein Vater erfuhr es erst, als ich bereits Schauspieler war und in einer Talkshow davon erzählte.

Wie hat er reagiert?
Er meinte nur, ich hätte sie doch um Geld fragen können. Aber ich wollte damals meine eigene Kohle verdienen.

Wie viel an deinem neuen Film «Magic Mike» ist autobiografisch?
Sehr viel. Ich habe sowohl am Drehbuch als auch an der Choreografie mitgearbeitet. Deshalb gibt es neben den klassischen Strippernummern wie Feuerwehrmann oder Bauarbeiter auch eine Breakdance-Einlage. Das war meine Idee, ich habe in meiner Jugend viel Breakdance gemacht. Bloss dass ich im Film plötzlich die Trainerhose ausziehe und im Tanga dastehe.

Was ist mit all den Partys, den Drogen und unzähligen Frauen?
Das hab ich früher auch durchgezogen. Diese Welt bringt Spass, ist völlig ungebunden und crazy. Sex ist der gemeinsame Nenner. Jetzt bin ich aber fertig damit. Der Lifestyle ist auf Dauer zu anstrengend. Ich habe eine wunderbare Frau, Jenna, und wir wollen bald eine Familie gründen. Ich bin sehr glücklich so.

Nach diesem Film werden dich alle Frauen lieben.
Wenn das geschieht, fühle ich mich geschmeichelt. Ich habe ihn aber nicht deshalb gemacht. Die Stripper- Welt ist eine Subkultur, eine verborgene Welt, die nur ganz wenige kennen. Das macht sie interessant. Der Film ist aber auch eine moderne Version von «Saturday Night Fever» und soll einfach Spass machen. Übrigens werden ihn auch Männer mögen, weil die Jungs darin einfach Jungs sind.

Sie fallen sich nach der Show in die Arme, tanzen im Training eng umschlungen.
Na und? Es geht um Behaglichkeit. Gerade weil sich die Stripper ihrer Se- xualität so sicher sind und sie jeden Abend auf der Bühne zeigen, kön- nen sie den Arm um den anderen legen und sagen: «Mann, ich liebe dich!»

Spielt Freundschaft in der Stripperszene eine besondere Rolle?
Eindeutig. Strippen ist wie mit einem Bruder in eine Schlacht zu ziehen. Wir gehen raus auf die Bühne und demütigen uns vor hunderten Frauen wenn wir mit einem Tarzankostüm oder Cowboylederhosen mit unseren Ärschen wackeln. Das schweisst zusammen, weil das normale Kumpels nie miteinander erleben. Wir aber wagen es.

Warum verliebt sich Mike schliesslich in die Schwester seines Kumpels?
Sie ist einfach no bullshit. Brooke ist grundehrlich zu Mike und will mehr für ihn, aber auch für sich selbst. Es ist ein gutes Gefühl, wenn jemand an dich glaubt. Mike ist für sie kein Toyboy. Bis er sie kennen lernt, hat er nur seine Sexualität, die ihn attraktiv macht. Brooke fragt ihn: «Was hast du noch zu bieten?»

Aktualisiert am 27. August 2012

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