The Hives: Halbstark made in Schweden
Intersection
26. Juni 2012

FÜR DIE ERSTEN TOUREN MIETETEN SIE SICH EINEN ALTEN VW-BULLI VON FREUNDEN, MITTLERWEILE SIND SIE DIE GRÖSSTE ROCKBAND SCHWEDENS UND SAMMELN FORTBEWEGUNGSMITTEL. VOM SAAB 900 I ÜBER DAS FAHRRAD BIS ZUM MERCEDES 300 SL – THE HIVES STEHEN AUF ALLES, WAS FÄHRT

Foto JAN FRIESE Text DAVID TORCASSO

Schwarze Lederjacken, schwarze Boots, schwar- ze Sonnenbrille und ein schwarz glänzender 900 I – Saabs letztes schönes Auto: Die fünf Jungs der schwedischen Rockband The Hives passen perfekt zur exzentrischen Karosserie des Kult- autos, das immer noch am liebsten von Kreativen oder Lehrern gefahren wird. Die Passanten bleiben stehen, weil der Anblick von Band und Auto so perfekt passt als würde ein Film gedreht. „Halbstark made in Schweden“, könnte sein Titel sein.

Hives-Sänger Howlin Pelle Almqvist scheint den Wagen gut zu kennen. Geübt montiert er die Motorhaube ab – beim Saab 900 nicht ganz einfach. „Dieser Wagen steht in Schweden an jeder Ecke. Viele Freunde von uns fahren ihn“, erklärt Howlin. Er mag die Karre. Nicht nur, weil es eines der bekanntesten schwedischen Autos ist, sondern weil es für die 80er-Jahre steht wie fast kein anderes Au- tomobil und in den 80ern ist er aufgewachsen.

Damals rollte dieses Modell als Cabriolet in Dutzen- den Filmen über die Leinwand. Er galt als avantgardisti- sches Luxusauto. Heute ist Saab Vergangenheit. Nicht nur die schwedische Rockband, sondern viele Anhänger der Marke bedauern das. „Vielleicht kaufen es ja die Chine- sen, wie alles heutzutage“, sagt Bassist Matthias Bernvall alias Dr. Matt Destruction und zuckt mit den Schultern.

Obwohl die Band meistens monatelang durch die ganze Welt tourt, fahren sie zu Hause alle Auto. Schließ- lich ist Schweden ein riesiges Land, wo man außer in den Städten auf irgendein individuelles Fahrzeug angewiesen ist. Außerdem wohnen die fünf Bandmitglieder an ver- schiedenen Orten. „Wir treffen uns meistens irgendwo in der Mitte. Das bringt aber mindestens eine zweistündige Fahrt mit sich“, sagt Howlin.

„Ich brauche das Auto während der Woche nicht so oft, weil ich die Strecken mit dem Fahrrad zurücklege“, sagt Matthias. In den Anfangszeiten der Band mieteten sich die Jungs einen alten VW-Bus bei Freunden, um die Instrumente zu einem Gig zu transportieren. Mittlerwei- le sind sie weltberühmt und sind nicht mehr auf klapp- rige, alte Busse angewiesen. Wer hat nicht schon mal ihre Hits wie „Tick Tick Bumm“ aus einem Autofenster in voller Lautstärke gehört.

Howlin bevorzugt alte Autos. „Ich fahre einen Mer- cedes SL 300 aus den 80er-Jahren. Der gleiche wie in der Serie Dallas“, lacht er. Es sei zwar ein Klischee, als Rock- sänger Autos aus vergangenen Epochen zu mögen, meint der Hives-Sänger. „Aber hey, sie sind einfach schöner. Genauso wie alte Häuser oder Möbel“. Gitarrist Vigilante Carlstroem meint: „Der Lamborghini Countach war das coolste Auto der Welt!“ Heute finden sie viele Autos lang- weilig, weil sie auf Funktionalität und Kosteneffizienz hin gebaut sind. „Früher war der Wille, etwas Schönes zu kreieren, viel größer als heute“, findet Carlostroem.

Der größte Autonarr bei The Hives ist Schlagzeuger Christian Grahn alias Chris Dangerous. Er nannte eine Zeit lang dreizehn Autos sein Eigen. Von teuren, italienischen Schlitten über alte, rostige Amerikaner bis hin zum neusten BMW. Er sammelte vor allem italienische Marken wie Alfa Romeo oder Lancia. „Jetzt fahre ich aber oft Fahrrad“, sagt er und ergänzt: „Wir haben wohl alle die Lektion gelernt, ein Auto für den Spaß und ein normales für Transporte oder Einkäufe zu besitzen.“ Bandleader Howlie erinnert sich an Familienausflüge als Kind, bei denen er am ganzen Leib schlotterte, weil die Heizung nicht funktionierte oder das Auto mitten in der Schneelandschaft mit den verzweifelten Eltern stehen- blieb. „Mit einem neuen Auto bist du auf der sicheren Seite.“ Was gar nicht rockermäßig klingt. Und als ob er das gleich wieder gutmachen wollte, sagt er: „Ich fahre ab und zu ganz alleine in der Nacht mit aufgedrehter Anlage durch die Landstraßen und singe laut vor mich hin.“ Es passierte ihm auch schon, dass jemand zu seiner Stimme an der Ampel „abgerockt“ habe. Daraufhin sagt Schlagzeuger Chris Dangerous: „Autos sind fucking beautiful, man!

Aktualisiert am 18. Juli 2012

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