Media Entrepreneurs/Axel Springer AG (Berlin)

Die Welt ist eine Scheibe – Tablets auf dem Vormarsch26. Oktober 2011

Die Verkäufe von Tablet-Computern werden in den nächsten Jahren explodieren. Das neue digitale Gerät wird unseren Medienkonsum und unsere Art zu arbeiten grundlegend verändern.

Laut Schätzungen sind im vergangenen Jahr weltweit über 20 Millionen Tablet-Computer verkauft worden. Spitzenreiter Apple verkaufte seit der Einführung des iPads im Mai 2010 rund 11 Millionen Stück. Mit einer Bar-Reserve von mittlerweile rund 81 Milliarden Dollar verfügt Apple über mehr Geld als der amerikanische Staat. Für das laufende Jahr erwarten Marktforscher eine Verdreifachung des Absatzes von Tablet-Computern. Doch warum sind die Geräte so attraktiv?

Der Touchscreen ist wohl das Erfolgsgeheimnis eines Tablets. Aber auch der Bildschirm, der größer ist als bei einem Smartphone, ist ein Grund für den Kauf eines solchen Geräts. Trotzdem: Ein Tablet-Computer eignet sich weniger für Business (außer für Präsentationen) und für das Büro, sondern mehr für das Sofa. Denn besonders bei Filmen, Musik, Büchern, Zeitungen oder Spielen – also bei Entertainment – können die Tablet-Computer ihre Vorzüge am besten ausspielen. Zudem bieten unzählige Apps eine Fülle von Nutzungsmöglichkeiten und Unterhaltung in jedem Segment.

Apple hatte mit der Einführung der neuen Produktgattung des Tablet-Computers durch das iPad wieder einmal mehr die Nase vorn. Das iPad wird aber in naher Zukunft auch unseren Medienkonsum und vielleicht sogar unsere Wahrnehmung und Verarbeitung von Informationen beeinflussen. Der Blog Readitlater hat das Leserverhalten von iPad-Usern mittels Grafiken analysiert und ist zu folgendem Schluss gekommen: Während wir mit herkömmlichen PCs vor allem während der Arbeitszeit im Internet surfen, können wir heute dank dem iPad jederzeit online gehen, also auch während der Fahrt in der U-Bahn, beim Warten in der Arztpraxis oder zu Hause. Abends machen wir es uns auf dem Sofa bequem, legen uns das Tablet auf den Schoß und machen uns auf die Suche nach Unterhaltung oder Information. So erreicht die Peak-Time von Lesern, die ein iPad nutzen, zwischen acht und neun Uhr abends ihren Höhepunkt. Neue Homepages wie etwa das Art Project von Google, das weltweit Kunstausstellungen nach Hause ins Wohnzimmer holt, sind zum Verweilen und Genießen geradezu prädestiniert.

Doch auch bereits die technische Natur, die Haptik eines Tablets und deren Bedienung durch blosses Berühren, verändert unsere Wahrnehmung von Inhalten. Die Designer von CX Parnters aus Bristol haben sich dem Phänomen iPad angenommen und einige spannende Schlussfolgerungen ausgearbeitet.

Unter dem viel versprechenden Titel “How the iPad changed us” lassen sich diese folgendermaßen zusammenfassen: Die Interaktion zwischen Mensch und Maschine wird noch direkter und konkreter. Weil der Mensch näher mit dem Gerät in Verbindung steht, müssen die Inhalte simpler und klarer präsentiert werden. Das iPad genießt die Aufmerksamkeit der breiten Masse, da diese die neue Art von Anwendungen noch nicht kannte und sie neugierig wurde. Während das Tippen auf einer Computertastatur längst zur Gewohnheit geworden ist, ist der Touchscreen nach wie vor neu und lädt zum Experimentieren ein. Autor Ben Macintyre geht in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” sogar noch weiter und behauptet, dass ein Tablet gar unser Denken verändere. “Apples iPad ist der jüngste Schritt auf dem Weg zur Verschmelzung des menschlichen Geistes mit dem Internet”, schreibt er, während er auch Nachteile darin sieht: “Viele Nutzer fühlen sich überfordert von dem Ansturm an Informationen, von zu vielen Websites, zu vielen Nachrichten, einem ohrenbetäubenden Chor von Tweets und Texten.” Tablet-PCs werden den Geist und das ständig verfügbare Internet noch weiter zusammenrücken. In einem anderen FAZ-Artikel schreibt Autor Frank Schirrmacher: “Was immer aus dem iPad wird: Es sagt nichts anderes aus, als dass die Hardware den Inhalt verändert. Und das Werkzeug verändert das Denken.”

Apples iPad ist der jüngste Schritt auf dem Weg zur Verschmelzung des menschlichen Geistes mit dem Internet

Das Brett ist 13 Millimeter flach und das Tor zur Welt. Die Oberfläche ist rasch verschmiert, trotzdem ist die Begeisterung rund um das iPad und Tablets groß. Hersteller liefern sich ein Wettrüsten auf diesem neuen Markt, wo Millionen von User warten. Rund 13 000 Leser der Fachzeitschrift Connect ernannte Apples iPad2, das Samsung Galaxy Tab 10.1 und das Motorola Xoom zu den drei besten zurzeit erhältlichen Tablets. Der Hightech-Verband BITKOM berechnete, dass 2010 rund 450 000 Tablet-Computer in Deutschland verkauft wurden. Wie sehr die Tablets unser Leben verändern werden, zeigt eine Grafik von Tech-Blog Mobile Beat  weiter unten. Auf das iPad entfielen in den letzten zwölf Monaten rund 80 Prozent der weltweit verkauften Tablet-Computer. Dank niedrigeren Preisen und einer Auswahl von Geräten gewinnt Android gegenüber Apple langsam an Boden. Durch den Erfolg haben sich Medien und Blogs mit der Frage beschäftigt, wie der Tablet-Computer unser Leben verändert.

Das iPad holt die Computer- und Internetnutzung aus den Arbeitszimmern heraus und bringt sie mitten ins Leben.

Für den bekannten Wissenschaftsjournalisten Nicholas Carr gibt das iPad das entscheidende Signal für eine Abkehr von den alten Standards der Welt der Personal Computer. “Das iPad markiert einen Paradigmenwechsel weg von sperrigen Geräte-Dinosauriern hin zu wahrhafte mobilen Medien-Alleskönnern. Ein sperriger Bildschirm mit einer Tastatur passt nicht länger zu den Dingen, die ein moderner Mensch mit einem Computer erwartet. Das Abrufen von Informationen aus einer “Cloud” und die immer schneller agierende Stimmigkeit von Mails, Dokumenten, Filmen und Nachrichten wird die Kommunikation verändern. Zuerst wird sich aber unser Medienkonsum durch Tablet-Computer verändern: Zeitungen und Zeitschriften lassen sich bequemer und effizienter konsumieren. Eine Entwicklung, welche die Verleger weltweit zum Umdenken gebracht hat – aber inzwischen längst Realität ist. So bringt auch das Fazit von FAZ-Journalist Patrick Bernau die Veränderungen von iPad & Co. auf den Punkt: “Das iPad holt die Computer- und Internetnutzung aus den Arbeitszimmern heraus und bringt sie mitten ins Leben.” Und zwar auch für Leute, die bis dahin nichts mit Computern am Hut hatten. So lassen sich Senioren in den neuen “Kirchen” – den Apple Stores – begeistert die Funktionen des iPads von jungen Digital Natives erklären und Streicheln unsicher, aber fasziniert über die Bildschirme, die ihnen die Welt jederzeit und unmittelbar greifbar macht.

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Aktualisiert am 28. Oktober 2011