Tages-Anzeiger

Unfreiwilliger Totalabsturz12. September 2007

Trinken bis zum Umfallen: Immer mehr Jugendliche enden im Spital. Doch nicht immer durch eigenes Verschulden.

Von David Torcasso

Daniel* hat Geburtstag. Um diesen Tag zu feiern, verabredet er sich am Abend mit seinen besten Freunden in einer Bar. Obwohl diese rappelvoll ist, entschliesst sich die Gruppe, den Abend hier zu verbringen. Es ist Freitagabend: Alle genehmigen sich einen Drink oder einige Gläser Bier. Daniel trinkt einen Wodka Red Bull, später ein Bier und wird schliesslich noch zu einem «Shot» eingeladen . . .

Als er am nächsten Morgen aufwacht, liegt er im Spital. An seinem Arm hängt ein Infusionsschlauch, neben dem Bett steht ein Eimer. «Nein, das kann doch nicht sein. So betrunken ist man nicht von zwei Gläsern Wodka Red Bull und einem Bier.» Daniel kann sich an nichts mehr erinnern. Der Verdacht kommt auf, dass er Opfer einer unfreiwilligen Einnahme von Drogen, wahrscheinlich Liquid Ectasy, geworden ist.

Nachweis der Droge schwierig

Daniel ist kein Einzelfall. Zwar sind die meisten Opfer Frauen, aber auch rund 10 Prozent Männer. Ein statistischer Nachweis ist jedoch nur schwer möglich. «Bei den üblichen Urintests wird der Nachweis nach Gamma-Hydroxy-Buttersäure (GHB) – auch Liquid Ecstasy genannt – nicht geprüft», sagt Elisabeth Simons vom Triemlispital Zürich. Die Droge ist zudem nur kurze Zeit nachweisbar. «Für einen Nachweis hat man ein Zeitfenster von ungefähr fünf Stunden», sagt Ruedi Stohler, leitender Arzt an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. Deshalb sind den Spitälern kaum Fälle bekannt. Nur die Folgen: Jugendliche wachen aus dem Koma auf und versichern, sie hätten nicht zu viel getrunken oder nicht willentlich Drogen zu sich genommen. Sie sind verzweifelt, weil sie nicht wissen, was mit ihnen passiert ist.

Liquid Ecstasy gibt es im Nachtleben überall zu kaufen – zu günstigen Preisen. Es ist flüssig und hat weder Farbe noch Geschmack. In einer geringen Dosis wirkt GHB euphorisierend, bei zwei Gramm führt es, vor allem in Verbindung mit Alkohol, zu «Benommenheit, Übelkeit, Bewusstlosigkeit und Gedächtnisverlust», wie Simons sagt. GHB hinterlässt keine Spuren im Blut und löscht jegliche Erinnerungen aus dem Gedächtnis. Liquid Ecstasy ist unsichtbar, die Täter auch.

Die Droge passt sich den Gesetzen des Nachtlebens an. «Eine mögliche Bewusstlosigkeit setzt erst nach rund einer halben Stunde ein», sagt Ruedi Stohler. Genug Zeit für den Täter, ein angeblich betrunkenes Opfer von einem Klub an einen einsamen Ort zu schaffen – und es dort zu vergewaltigen oder auszurauben. Das Opfer wacht am nächsten Tag auf, die Kleider sind verkehrt herum angezogen, die Brieftasche weg oder Schmerzen im Unterleib spürbar. Im Kopf herrscht absolute Leere.

«Wir glauben, dass bei Verbrechen in Zusammenhang mit solchen Drogen eine Dunkelziffer besteht», sagt Judith Hödel von der Stadtpolizei Zürich.

Zukunftsweisende Mode made in Switzerland25. Juni 2007

Die Abschlussklasse der Mode-Design-Schule Zürich zeigte ihre Kollektionen im Kaufleuten.

Von David Torcasso und Matthias Hurt (Bilder)
Wo sonst die Nachtschwärmer zu lauter Musik tanzen, stand am Samstagabend junge Mode im Rampenlicht. Die Mode-Design- Schule Zürich hatte zur Diplommodenschau der Abschlussklasse ins Kaufleuten eingeladen. Zahlreiche Besucher nahmen rund um den weissen Laufsteg ihre Plätze ein. Als das …

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Aktualisiert am 20. September 2010

«Man muss Trends letztlich locker sehen»22. Juni 2007

Andere träumen davon: Der Zürcher Harun Dogan wird als Trendscout eines Haarpflegemultis während dreier Monate in die Metropolen der Welt reisen.
Mit Harun Dogan sprach David Torcasso
Harun Dogan, Gratulation zum Gewinn des Trendscouting-Wettbewerbs. Warum haben Sie mitgemacht?
Ich beschäftige mich schon seit Jahren mit Fashion, Design und Grafik. Der Titel «Trendscout» mag etwas kitschig klingen – mir …

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Aktualisiert am 27. Juni 2011

Die «Villen Kunterbunt» von Zürich26. Mai 2007

Auf einer Rundfahrt hat das stadt.labor drei alternative Wohnprojekte aus der Stadt vorgestellt. Eines davon ist die besetzte Halle in Wiedikon, wo zurzeit rund 40 Personen leben.
Von David Torcasso
Graffiti, Werkbänke, löchrige Sofas, Autoreifen, ein Wald von Pflanzen, unzählige Tücher, Stahlkonstruktionen, die an eine grosse Spinne erinnern, ja sogar drei ausrangierte Traktoren stehen in der «Wohnung» …

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Aktualisiert am 6. September 2010

Graffiti als Ursprung von Kunst und Design7. März 2007

Die drei Graffiti-Sprayer Toast, Shark und Z-One sind heute erfolgreiche Unternehmer. Ihre Werke und Projekte sind an der Designmesse Trendboulevard im Maag-Areal zu sehen.
Von David Torcasso
Grau und nackt steht sie da. Die Betonwand im hinteren Teil der Maag-Halle. Eigentlich langweilig. Genau eine solche Betonfläche war lange Zeit die «Leinwand» der Graffiti-Künstler Harun Dogan, Ata Bozaci …

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Aktualisiert am 6. September 2010